Wenn Geopolitik zum Wochenendhobby wird
Veröffentlicht von Peter Martin in Weltgeschehen · Sonntag 15 Mär 2026 · 4 Minuten
Tags: Geopolitik, Wochenendhobby, Krieg, Nahrung, Dünger, Industrie, Rohstoffe, Überraschung
Tags: Geopolitik, Wochenendhobby, Krieg, Nahrung, Dünger, Industrie, Rohstoffe, Überraschung
Während Generäle Krieg spielen, entdeckt die Welt überrascht, dass Nahrung, Dünger und Industrie tatsächlich von Rohstoffen abhängen
Es ist immer wieder faszinierend, wie zuverlässig die Weltpolitik ein und denselben Trick beherrscht: Erst zündet man das Pulverfass an – und danach stellt man überrascht fest, dass es tatsächlich explodiert ist.
Der neue geopolitische Volkssport heißt offenbar: Handelsschifffahrtsrouten blockieren und anschließend erstaunt fragen, warum plötzlich Lieferketten reißen.
Die Straße von Hormus ist dabei so etwas wie die Hauptschlagader der Weltwirtschaft. Durch diese Meerenge fließt nicht nur ein Viertel des globalen Erdöls und ein Fünftel des Flüssiggases. Nein, durch diese Passage laufen auch all jene unspektakulären, langweiligen Dinge, die angeblich nie jemand braucht – bis sie plötzlich fehlen.
Dünger zum Beispiel.
Helium.
Aluminium.
Chemikalien.
Logistik.
Helium.
Aluminium.
Chemikalien.
Logistik.
Also im Grunde nur die Kleinigkeiten, ohne die Landwirtschaft, Medizin, Elektronik und Industrie zufällig zusammenbrechen würden.
Aber keine Sorge: Die westliche Politik hat natürlich einen Plan. Sie hat immer einen Plan. Der Plan besteht in der Regel aus drei einfachen Schritten:
- Sanktionen verhängen
- Konflikte eskalieren
- Danach überrascht feststellen, dass die Wirtschaft reagiert
Man könnte fast meinen, hier werde mit der Weltwirtschaft experimentiert wie mit einem Chemiebaukasten aus dem Kinderzimmer.
Die große Entdeckung der Realität
Plötzlich stellt man fest, dass Dünger aus Erdgas hergestellt wird.
Und dass ohne Dünger Pflanzen schlechter wachsen.
Und dass ohne Pflanzen Lebensmittel fehlen könnten.
Und dass ohne Dünger Pflanzen schlechter wachsen.
Und dass ohne Pflanzen Lebensmittel fehlen könnten.
Eine Erkenntnis, die vermutlich jeden Landwirt seit etwa 8.000 Jahren begleitet – aber in geopolitischen Thinktanks offenbar erst jetzt entdeckt wurde.
Besonders interessant ist dabei die europäische Lage.
Die Europäische Union hat sich in den vergangenen Jahren mit bewundernswerter Konsequenz von genau jenen Lieferanten abgeschnitten, die bisher für stabile Versorgung gesorgt haben. Russische Düngemittel? Sanktioniert. Russische Energie? Moralisch unzumutbar.
Und nun stellt man fest, dass auch Lieferungen aus dem Persischen Golf plötzlich unsicher werden könnten.
Das Ergebnis ist eine Art ökonomische Selbstversorgungsstrategie der besonderen Art:
Man verzichtet freiwillig auf Rohstoffe – und wundert sich anschließend über steigende Preise.
Man verzichtet freiwillig auf Rohstoffe – und wundert sich anschließend über steigende Preise.
Die moderne Kunst der Versorgungskrise
Währenddessen steigen Aluminiumpreise, Heliumlieferungen brechen weg, Logistikkosten explodieren und Lebensmittel werden teurer.
Helium übrigens – ein Stoff, der unter anderem für MRT-Geräte in Krankenhäusern gebraucht wird.
Man könnte also sagen: Wenn geopolitische Strategen besonders kreativ werden, bekommt das nicht nur die Industrie zu spüren, sondern im Zweifel auch die Medizin.
Aber immerhin funktioniert der Börsenhandel hervorragend. Dort lassen sich aus jeder Krise neue Gewinne destillieren.
Kriege sind schließlich eine der zuverlässigsten Methoden, Märkte in Bewegung zu bringen. Und Bewegung bedeutet Rendite.
Es wäre also unfair zu behaupten, niemand profitiere von dieser Lage.
Der Optimismus der Macht
Besonders beruhigend sind dabei die politischen Kommentare aus Washington.
Dort erklärt man mit stoischer Gelassenheit, die Märkte würden sich schon wieder beruhigen. Schließlich habe man mit schlimmeren Folgen gerechnet.
Das ist ungefähr so, als würde ein Feuerwehrmann nach dem Anzünden eines Hauses feststellen:
„Gut, dass nur das Dach brennt.“
„Gut, dass nur das Dach brennt.“
Die Rückkehr ins Jahr 1973
Ökonomen warnen inzwischen vor einer möglichen Wiederholung der Ölkrise von 1973.
Damals führte ein Embargo zu einer Vervierfachung der Ölpreise und zu einer globalen Rezession.
Der Unterschied zu heute besteht allerdings darin, dass damals zumindest noch so getan wurde, als sei man von der Entwicklung überrascht worden.
Heute hingegen wirkt die Situation eher wie ein bewusst herbeigeführtes Experiment.
Der große Schock
Der eigentliche Schock kommt deshalb nicht durch den Krieg selbst.
Der große Schock besteht darin, dass die Weltwirtschaft noch immer auf physische Realität angewiesen ist.
Rohstoffe.
Transportwege.
Energie.
Landwirtschaft.
Transportwege.
Energie.
Landwirtschaft.
All diese altmodischen Dinge lassen sich leider nicht durch Pressekonferenzen, Sanktionen oder moralische Appelle ersetzen.
Und so entdeckt die moderne Welt gerade eine uralte Wahrheit:
Man kann Kriege führen.
Man kann Sanktionen verhängen.
Man kann Handelsrouten blockieren.
Man kann Sanktionen verhängen.
Man kann Handelsrouten blockieren.
Aber man kann nicht gleichzeitig so tun, als hätte das keinerlei Konsequenzen.
Doch vielleicht ist genau das der wahre Kern moderner Geopolitik:
Unsere sogenannte Eliten spielen mit der Weltwirtschaft wie mit einem Dominospiel – und diese sind jedes Mal aufs Neue erstaunt, dass die Steine tatsächlich umfallen.
