Direkt zum Seiteninhalt

Tank leer, Gasspeicher auch – aber die Lage ist „unter Kontrolle“

Sarkasmus-Spiegel
Menü überspringen
Sarkasmus
Menü überspringen

Tank leer, Gasspeicher auch – aber die Lage ist „unter Kontrolle“

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Donnerstag 26 Mär 2026 · Lesezeit 2 Minuten
Tags: TankGasspeicherVersorgungssicherheitRealitätÜberraschungPressefloskelKontrolle
Wenn Realität zur Überraschung wird und Versorgungssicherheit nur noch eine Pressefloskel ist

Es ist beruhigend zu wissen, dass in diesem Land alles seine Ordnung hat. Erst geht das Benzin aus – und kurz darauf stellt man fest, dass auch die Gasspeicher eher dekorativen Charakter haben. Aber keine Sorge: Die Lage ist selbstverständlich „unter Kontrolle“. Man hat sie nur nicht mehr im Griff.

Der drohende Benzinmangel im April ist dabei nur die Ouvertüre zu einem energiepolitischen Gesamtkunstwerk, das man wohl am besten als „geplante Ahnungslosigkeit“ beschreibt. Denn während sich die Zapfsäulen langsam in museale Ausstellungsstücke verwandeln, dämmert es nun auch, dass die Gasspeicher auffallend wenig Gas enthalten. Eine Erkenntnis, die offenbar ähnlich überraschend kam wie der Wintereinbruch im Dezember.

Die politische Kommunikation folgt dabei einem bewährten Drehbuch: Zuerst wird beschwichtigt, dann relativiert, anschließend beschönigt – und ganz am Ende, wenn wirklich nichts mehr geht, wird eingeräumt, dass es ein Problem geben könnte. Nicht etwa ein gravierendes, nein – eher eine „herausfordernde Situation mit kurzfristigem Handlungsbedarf“. Übersetzt: Es ist alles leer.

Man fragt sich unweigerlich, wie es sein kann, dass in einem hochentwickelten Industrieland sowohl Benzin als auch Gas gleichzeitig zur Mangelware werden. Die Antwort ist ebenso simpel wie unerquicklich: Weil man Probleme lieber verwaltet als verhindert. Weil man Warnungen ignoriert, solange sie politisch unbequem sind. Und weil man glaubt, Realität lasse sich durch Rhetorik ersetzen.

Besonders faszinierend ist dabei die Gleichzeitigkeit des Versagens. Nicht nur ein Bereich, nicht nur ein Engpass – nein, gleich mehrere fundamentale Säulen der Energieversorgung geraten ins Wanken. Das ist keine Panne mehr, das ist System. Ein System, das offenbar darauf ausgelegt ist, erst dann zu reagieren, wenn Reaktion keinen Unterschied mehr macht.

Und während draußen die ersten Motoren stottern und die Heizungen vorsorglich auf Sparflamme gestellt werden, arbeitet man im Hintergrund bereits an der passenden Erzählung. Vielleicht etwas von „globalen Verwerfungen“, „unvorhersehbaren Entwicklungen“ oder „solidarischen Lösungen“. Alles Begriffe, die eines gemeinsam haben: Sie klingen gut, helfen aber nicht beim Tanken.

Am Ende bleibt ein Eindruck, der sich kaum noch wegdiskutieren lässt: Die eigentliche Knappheit betrifft nicht nur Energie – sondern vor allem Weitsicht. Und die ist bekanntlich schwer zu speichern.



Zurück zum Seiteninhalt