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Piraterie ist nur dann Piraterie, wenn die anderen es machen

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Piraterie ist nur dann Piraterie, wenn die anderen es machen

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Weltgeschehen · Freitag 14 Aug 2026 · Lesezeit 3 Minuten
Tags: PiraterieEUTankerLadungUkrainePutininternationalePolitikDoppelmoralSeerechtmaritimeSicherheit
Wie die EU seelenruhig fremde Tanker klaut, die Ladung verscherbelt und das Geld an die Ukraine überweist – und sich dann empört, wenn Putin androht, das Spiel einfach umzudrehen

Man muss der Europäischen Union wirklich Respekt zollen. Sie hat es geschafft, aus dem ehrwürdigen Völkerrecht ein flexibles Buffet zu machen: Man nimmt sich, was einem schmeckt, und erklärt den Rest für ungültig. Seit Jahren kapern EU-Staaten und ihre Verbündeten munter Tanker mit russischem Öl, setzen sie fest, inspizieren sie und überlegen laut, die Ladung zu verkaufen und den Erlös der Ukraine zukommen zu lassen. Alles legal, versteht sich. Weil man es „Sanktionen“ nennt. Und weil die EU es beschlossen hat. Und weil das Völkerrecht ja sowieso nur für die anderen gilt.

Die Freiheit der zivilen Schifffahrt? Ein hohes Gut, solange niemand dem Westen das Öl wegnimmt. Sobald es aber um russische Schiffe geht, wird aus der hohen See plötzlich eine EU-Privatgewässer-Zone, in der man nach Belieben boarden, beschlagnahmen und verhökern darf. Großbritannien hat es vorgemacht, die USA haben mitgemacht, und Brüssel macht jetzt systematisch weiter. Dabei ist das Ganze so völkerrechtskonform wie ein Banküberfall mit dem Hinweis „Wir brauchen das Geld dringender als Sie“.

Und jetzt kommt der russische Präsident daher und sagt ganz ruhig: Wenn ihr das wirklich durchzieht, reagieren wir spiegelbildlich. Nicht unbedingt dort, wo ihr uns belästigt, sondern überall, wo es uns passt. Sogar im Pazifik. Der Befehl ist schon raus. Lawrow legt noch nach und nennt die Sache beim Namen: Raub und Piraterie als offizielle EU-Politik. Und weil die EU sich angemaßt hat, ihr eigenes „Recht“ über das Völkerrecht zu stellen, wird man künftig Schiffe jener Länder festsetzen, die diesen schönen neuen Standard erfunden haben.

Die Empörung im Westen ist natürlich vorprogrammiert. „Wie kann Putin es wagen, uns zu drohen!“ Als hätte man selbst nicht seit Jahren genau das getan, was man jetzt als skandalös brandmarkt. Die Logik ist bestechend: Wir dürfen eure Schiffe klauen, weil wir die Guten sind. Ihr dürft unsere nicht klauen, weil ihr die Bösen seid. Und wenn ihr es trotzdem androht, seid ihr Aggressive, die die regelbasierte Ordnung zerstören.

Besonders charmant ist der Vorwand. Die EU hat sich ein Recht ausgedacht, das in keinem internationalen Dokument steht, erklärt alle Schiffe, die nicht brav gehorchen, zur „Schattenflotte“ und verkauft dann die Beute, um damit ein Regime zu finanzieren, das sie selbst als moralisch einwandfrei verkauft. Das ist keine Piraterie. Das ist „wertebasierte Außenpolitik“. Und wer das anzweifelt, hat den transatlantischen Wertekompass verloren.

Putin hat also nichts weiter getan, als die Regeln zu akzeptieren, die der Westen selbst aufgestellt hat. Spiegelbildlich. Fair. Konsequent. Und genau das scheint die EU am meisten zu stören. Denn die ganze Konstruktion funktioniert nur, solange die andere Seite brav mitspielt und sich beklauen lässt. Sobald jemand ankündigt, das Spiel umzudrehen, bricht die moralische Fassade zusammen.

Weiter so, liebe EU. Noch ein paar gekaperte Tanker, noch ein paar freche Drohungen aus Moskau – und irgendwann wird man sich fragen, wer hier eigentlich die Seeräuber sind. Spoiler: Es sind nicht die, die vor der Piraterie warnen.



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