Nord Stream: Die große Aufklärungs-Show - wenn's denn mal losgehen würde
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Sonntag 10 Aug 2025 · 3:15
Tags: Nord, Stream, 2, Aufklärung, Sprengung, Olaf, Scholz, Weißen, Haus, böser, Russe, Realität, Narrativ, März, 2023
Tags: Nord, Stream, 2, Aufklärung, Sprengung, Olaf, Scholz, Weißen, Haus, böser, Russe, Realität, Narrativ, März, 2023
(Wenn der „böse Russe“ ausfällt, wird’s immer stiller um die Sprengung von Nord Stream 2 – besonders ab Anfang März 2023 nach dem Besuch von Olaf Scholz’ im Weißen Haus. Offenbar passt die Realität nicht zum Narrativ des „bösen Russe“!)
Ein Rätsel aus der Tiefsee – mit einer lang eingebauten Denkpause
Ach, Nord Stream! Die Pipeline, die nicht nur Gas, sondern auch jahrelange Verwirrung und politische Verschleierung ins Land brachte. Der Anschlag wirkt heute wie ein ungelöstes Rätsel aus dem Mittelalter – so langsam und gründlich (oder besser: behutsam gebremst) geht die Aufklärung voran. Man könnte fast meinen: Genau so ist es gewollt.
Bürokratie-Marathon unter Wasser
Wer hätte gedacht, dass das wichtigste Bauwerk der deutschen Energieversorgung zum Schauplatz eines internationalen Bürokratie-Marathons wird? Polizei, Bundesanwaltschaft, Bundesamt für Seeschifffahrt, Dänemark, Schweden, Geheimdienste, NATO – alle „zuständig“, aber niemand verantwortlich. Man reicht Akten weiter wie heiße Kartoffeln, während die Pipeline auf dem Meeresgrund vor sich hin rostet.
Das Mantra: „Wir ermitteln intensiv.“ Seit Monaten. Ohne Ergebnis.
Ermitteln heißt hier offenbar vor allem: den Ball zur nächsten Behörde schieben und auf Zeit spielen.
Ermitteln heißt hier offenbar vor allem: den Ball zur nächsten Behörde schieben und auf Zeit spielen.
Geheimhaltung – oder: Der elegante Maulkorb
Offiziell: „nationale Sicherheit“.
Inoffiziell: „Wir wissen, wer es war – und reden lieber nicht darüber.“
Inoffiziell: „Wir wissen, wer es war – und reden lieber nicht darüber.“
Seit klar wurde, dass der „böse Russe“ wohl ausfällt, herrscht Funkstille. Die Eile ist aus der Aufklärung verschwunden wie das Gas aus der Pipeline – puff, weg. Nun wird abgewartet, bis die Schlagzeilen verblassen, die Öffentlichkeit abgelenkt ist und die letzten neugierigen Journalisten in die Kulturredaktion versetzt wurden.
Der Elefant im Raum trägt Sterne und Streifen
Über Verdächtige wird gerne spekuliert – bis der Blick auf den transatlantischen Freundeskreis fällt. Dort endet die Fantasie der Ermittler abrupt. Stattdessen wühlt man auf Nebenschauplätzen.
Technisch wäre es längst möglich, Spuren am Meeresgrund zu sichern. Aber Spuren verwischen, Videos „verschwinden“ oder gelten plötzlich als Fälschungen. Am Ende heißt es: „Keine abschließenden Erkenntnisse.“
Wie in einem Krimi, in dem der Mörder am Tatort Kaffee trinkt – während der Kommissar die Nachbarskatze befragt.
Wie in einem Krimi, in dem der Mörder am Tatort Kaffee trinkt – während der Kommissar die Nachbarskatze befragt.
Medienkarussell im Sommerloch-Modus
Die Presse hat das Thema früh abgehakt. Zwischen „neuer Rattenplage in Berlin“ und „Skandal um Diäten“ blieb für eine Pipeline-Sabotage weniger Aufmerksamkeit als für Frau Müllers entlaufene Katze.
Nord Stream ist zur Mischung aus „Aktenzeichen XY“ ohne Auflösung und „Lindenstraße“ geworden: endlos, belanglos, dialoglastig. Die Botschaft: „Der Russe war’s nicht, also kochen wir die Story weich, bis sie niemanden mehr interessiert.“
Deutschland: Souverän auf Abruf
Anfang März 2023, Washington: Scholz und Biden vor der Presse. Kein Lächeln, kein echtes Statement, nur ein paar inhaltsarme Floskeln – dann Funkstille. Keine Protokolle, keine Nachfragen, keine Details.
War es eine Unterrichtung? Eine stille Erinnerung, manche Themen besser nicht anzurühren? Sicher ist: Wäre Moskau der Täter gewesen, hätte Berlin Beweise präsentiert – wahrscheinlich mit PowerPoint.
Schnecke mit Kater – jetzt auch als Ermittler
Die Nord-Stream-Ermittlungen sind Verwaltungsgymnastik in Zeitlupe. Jede Aufklärung, die den Verdacht auf London, Warschau oder Kiew lenken könnte – womöglich mit amerikanischem Augenzwinkern – wäre politisch toxisch.
Darum lieber weiter das politische Theater spielen: Vorhänge mit „nationale Sicherheit“ bedrucken, dahinter nichts. Kanzler und Minister liefern Textbausteine, das Publikum wartet – und wird vertröstet.
Finale: Die Wahrheit bleibt unter Wasser
In 20 Jahren wird vielleicht ein Untersuchungsausschuss tagen. Bis dahin ist Nord Stream ein Instagram-Hotspot für Taucher. Historiker werden sich streiten, Talkshows jeden Zeugen weichklopfen, bis er unglaubwürdig wirkt.
Am Ende nicken alle höflich und sagen: „War das nicht diese Sache mit dem Gas?“
Die Wahrheit wird so tief begraben, dass selbst Taucher sie nicht mehr finden. Die Show geht weiter – nur die Wahrheit darf nie auf die Bühne.
Die Wahrheit wird so tief begraben, dass selbst Taucher sie nicht mehr finden. Die Show geht weiter – nur die Wahrheit darf nie auf die Bühne.
