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Nebel über der Ostsee – und Wadephul wirft noch eine Rauchgranate Veröffentlicht

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Nebel über der Ostsee – und Wadephul wirft noch eine Rauchgranate Veröffentlicht

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Montag 26 Jan 2026 · Lesezeit 3 Minuten
Tags: NebelOstseeWadephulRauchgranateAußenpolitikhybrideAngriffeVerantwortung
Wenn Außenpolitik nach „hybriden Angriffen“ ruft, aber vor der eigenen Verantwortung davonsegelt

Johann Wadephul entdeckt die Ostsee. Plötzlich. Alarmiert. Dramatisch. Schattenflotten, zerrissene Kabel, hybride Angriffe – das ganze Bedrohungsbuffet, serviert mit ernster Miene und dem Ruf nach „mehr Überwachung“ und „Weiterentwicklung des Seerechts“. Wer da noch ruhig schläft, ist offenbar Teil des Problems.

Was Wadephul hier präsentiert, ist allerdings weniger Analyse als Ablenkungsmanöver mit Leuchtrakete.

Denn während er vor angeblich allgegenwärtiger russischer Sabotage warnt, schweigt er auffällig zu einer unbequemen Frage: Warum ist die Ostsee überhaupt so sicherheitspolitisch vermint? Vielleicht, weil sie seit Jahren systematisch militarisiert, aufgerüstet und zur NATO Frontlinie umetikettiert wurde? Vielleicht, weil zivile Infrastruktur und militärische Interessen dort längst ineinander verheddert sind wie alte Netze auf dem Meeresgrund?

Statt Ursachen zu benennen, wird die Bedrohung externalisiert. Die Schattenflotte dient dabei als perfekter Bösewicht: alt, rostig, gesichtslos – ideal, um Angst zu erzeugen und zugleich politische Härte zu simulieren. Dass diese Tanker vor allem deshalb fahren, weil Sanktionen politisch beschlossen, aber praktisch nicht durchdacht wurden, fällt diskret unter den Tisch. Erst Sanktionen ohne Folgenabschätzung, dann Alarmismus ohne Selbstkritik.

Wenn Wadephul davon spricht, das Seerecht „nutzen“ und „weiterentwickeln“ zu wollen, klingt das verdächtig nach juristischem Weichzeichner für das, was man eigentlich meint: mehr Kontrolle, mehr Zugriff, mehr Macht – auch dort, wo sie völkerrechtlich bisher bewusst begrenzt war. Internationale Gewässer als Experimentierfeld deutscher Ordnungspolitik. Was kann da schon schiefgehen?

Besonders bemerkenswert ist der moralische Spagat, mit dem die Bevölkerung gleich mit in Haftung genommen wird. Zwei Milliarden Cyberangriffe, sagt Wadephul – und plötzlich soll nicht nur der Staat, sondern auch der Bürger „mitmachen“. Wachsam sein.

Aufmerksam. Widerstandsfähig. Kurz: bereit, Einschränkungen zu akzeptieren, weil irgendwo ein Kabel beschädigt wurde, dessen Eigentümer und Schutzkonzept man lieber nicht genauer beleuchtet.

So wird aus Außenpolitik ein Angstmanagement und aus Sicherheitspolitik eine pädagogische Maßnahme zur Disziplinierung der Gesellschaft. Wer fragt, gilt als naiv. Wer zweifelt, als fahrlässig. Wer widerspricht, als Teil des Problems.

Dabei ist das eigentliche Risiko weniger die Schattenflotte als die politische Routine, jede Eskalation als Naturereignis darzustellen. Sturm auf See – niemand verantwortlich. Nur leider werden die Leuchttürme inzwischen von denselben Leuten gebaut, die vor dem Nebel warnen.

Wadephuls Forderungen sind daher kein Aufbruch, sondern ein Ausweichmanöver. Viel Lärm auf offener See, wenig Kurskorrektur.

Die Ostsee braucht Kooperation – ja.
Aber vor allem braucht sie Ehrlichkeit.
Und die ist derzeit schwerer zu finden als ein intaktes Unterseekabel.



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