Kritische Bürgerinnen und Bürger – eine Gefahr für Demokratien?
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Sonntag 10 Aug 2025 · 2:45
Tags: Kritische, Bürger, Demokratie, Gefahr, Immunsystem, Demokratie, erhalten, Bürgerengagement, politische, Teilhabe, gesellschaftliche, Verantwortung, Demokratiekrise
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Wie man den Patienten „Demokratie“ am Leben erhält, indem man das Immunsystem abschaltet
Natürlich sind kritische Bürger eine Gefahr – allerdings nicht für die Demokratie im ursprünglichen Sinne, sondern für jene „Demokratie“, die heute wie ein perfekt inszeniertes Polit-Musical läuft: glänzende Bühnenbilder, auswendig gelernte Texte, immer dieselben Hauptdarsteller – und wehe, jemand ruft aus dem Publikum: „Das Stück ist Mist!“
Vom Bürger zum Störenfried – ein historischer Dauerbrenner
Die Geschichte zeigt: Wer in „Demokratien“ zu laut nachfragt, landet schneller im Abstellraum der Geschichte, als er „Meinungsfreiheit“ buchstabieren kann.
- Sokrates? Musste den Schierlingsbecher trinken – wegen „Verderbnis der Jugend“ (heute würde das „Verbreitung von Desinformation“ heißen).
- US-Kriegskritiker in Vietnamzeiten? Wurden als Kommunisten abgestempelt, teilweise überwacht und drangsaliert.
- Edward Snowden? Lebt im Exil, weil er „zu viele Fragen beantwortet“ hat.
- Julian Assange? Seit über einem Jahrzehnt im Würgegriff der „freien Welt“, weil er der Öffentlichkeit das gezeigt hat, was sie angeblich wissen darf.
Dem Machtapparat ist es dabei völlig egal, ob das Etikett „Demokratie“, „Republik“ oder „Volksstaat“ heißt – wer zu viel fragt, stört das Geschäft.
Die heutige Spielanleitung für Demokratiesimulation
- Einfach die Definition ändern: Demokratie heißt heute nicht mehr „Volksherrschaft“, sondern „politische Stabilität“. Und Stabilität erreicht man am besten, indem man Bürger auf eine stabile Meinungsrichtung festnagelt.
- Medien als Leimtopf: Kritiker werden nicht mit Argumenten bekämpft, sondern mit Schlagworten. Wer den Regierungskurs infrage stellt, ist wahlweise „rechts“, „linksradikal“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „Putinversteher“.
- Institutionelle Abschreckung: Durch Hausdurchsuchungen, Kontosperrungen oder Berufsverbote signalisiert man allen anderen: „Frag lieber nicht nach, sonst bist du der Nächste.“
- Digitaler Maulkorb: Plattformrichtlinien sorgen dafür, dass unliebsame Inhalte verschwinden – offiziell wegen „Hassrede“, inoffiziell wegen „falscher Fragen“.
Und die Medien?
Die großen Häuser – von öffentlich-rechtlichen Millionenapparaten bis zu den privaten Meinungsschleudern – wirken wie eine Mischung aus Hofberichterstattung und Papageienvoliere. Über Monate kann man jeden Tag den Namen „Trump“ lesen, hören, sehen – immer negativ. Aber ein Präsident, der trotz aller Großkotzigkeit keinen neuen Krieg begonnen hat? Das passt nicht ins Drehbuch. Anerkennung? Fehlanzeige.
Gleichzeitig wird mit ernster Miene verkündet, die Ukraine sei ein Musterbeispiel der Demokratie – während dort Parteien verboten, Fernsehsender geschlossen und Kritiker eingesperrt werden. Aber wer das erwähnt, „gefährdet den Zusammenhalt“.
Warum der kritische Bürger wirklich gefährlich ist
Er ist nicht käuflich mit billigen Schlagzeilen. Er erkennt Widersprüche. Er liest zwischen den Zeilen. Er hinterfragt nicht nur die Feindbilder, sondern auch die Freunde. Er könnte der Moment sein, in dem das Publikum das Theater verlässt – und draußen merkt, dass die Welt größer ist als die politische Kulisse.
Summa summarum
Kritische Bürger sind für die Demokratie das, was das Immunsystem für den Körper ist: Sie erkennen Bedrohungen und reagieren.
Für eine Politik, die „Demokratie“ als Verkaufslabel benutzt, sind sie dagegen wie Antikörper gegen eine schöne, stabile Infektion: hinderlich, unbequem, gefährlich für die geplante Symptomlosigkeit.
Für eine Politik, die „Demokratie“ als Verkaufslabel benutzt, sind sie dagegen wie Antikörper gegen eine schöne, stabile Infektion: hinderlich, unbequem, gefährlich für die geplante Symptomlosigkeit.
Oder wie es ein erfahrener Zyniker in Rheinsberg/Köernitz formuliert:
„Wir lieben die Demokratie – solange sie uns nicht in die Quere kommt.“
