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Kosovo gut – Krim böse? Die erstaunliche Elastizität westlicher Prinzipien

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Kosovo gut – Krim böse? Die erstaunliche Elastizität westlicher Prinzipien

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Weltgeschehen · Montag 20 Jul 2026 · Lesezeit 3 Minuten
Tags: KosovoKrimVölkerrechtgeopolitischeInteressenwestlichePrinzipienzweierleiMaßPolitikinternationaleBeziehungenRechtElastizität
Wenn das Völkerrecht zur politischen Knetmasse wird, entscheidet offenbar nicht mehr das Recht, sondern die geopolitische Interessenlage. Der Vergleich zwischen Kosovo und Krim zeigt vor allem eines: Der Westen misst mit zweierlei Maß

Seit Jahren erklärt uns der Westen, das Völkerrecht sei unantastbar. Es gelte für alle, jederzeit und überall. Ein schöner Gedanke – zumindest solange das Ergebnis den eigenen geopolitischen Interessen entspricht.

Denn sobald man den Kosovo und die Krim nebeneinanderlegt, beginnt die bemerkenswerte Verwandlung des Völkerrechts in eine Art politisches Gummiband.

Im Kosovo erklärte eine Provinz einseitig ihre Unabhängigkeit von Serbien. Der Internationale Gerichtshof stellte 2010 fest, dass diese Unabhängigkeitserklärung nicht gegen das Völkerrecht verstoße. Kurz darauf erkannten zahlreiche westliche Staaten den neuen Staat an. Die Begründung lautete: Selbstbestimmungsrecht der Völker.

Als sich 2014 auf der Krim nach offiziellen Angaben fast 97 Prozent der Abstimmenden für einen Beitritt zu Russland aussprachen, war vom Selbstbestimmungsrecht plötzlich kaum noch die Rede. Nun hieß es auf einmal: territoriale Integrität der Ukraine.

Was ist also passiert?

Hat sich das Völkerrecht innerhalb weniger Jahre geändert?

Nein.

Geändert haben sich lediglich die politischen Interessen derjenigen, die sich besonders gern als Hüter eben dieses Rechts präsentieren.
Besonders kurios wird die Argumentation beim Hinweis, der Kosovo sei ein „einmaliger Sonderfall“. Eine juristische Kategorie ist das allerdings nicht. Das Völkerrecht kennt keinen Passus mit der Überschrift: „Diese Regeln gelten nur, wenn sie den außenpolitischen Interessen der NATO entsprechen.“

Der Begriff sui generis wirkt daher weniger wie eine juristische Begründung als vielmehr wie eine elegante Umschreibung für: Dieser Fall passt uns politisch besser.

Hinzu kommt ein weiterer bemerkenswerter Widerspruch.

Das Schiedsgericht nach dem UN-Seerechtsübereinkommen zur Krim hat ausdrücklich nicht entschieden, wem die Krim völkerrechtlich gehört. Es erklärte vielmehr, dass diese Frage außerhalb seiner Zuständigkeit liege. Dennoch wird in vielen politischen Debatten so getan, als sei die Eigentumsfrage längst höchstrichterlich geklärt.

Sie ist es gerade nicht.

Das bedeutet keineswegs, dass Russland automatisch im Recht wäre. Es bedeutet aber ebenso wenig, dass sämtliche rechtlichen Fragen zugunsten der Ukraine entschieden wären.

Gerade diese Differenzierung fehlt häufig in der öffentlichen Debatte.

Stattdessen entsteht der Eindruck, das Völkerrecht werde zunehmend nach dem Prinzip angewendet: Freunde dürfen, Gegner dürfen nicht.

Als die NATO 1999 ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates Jugoslawien bombardierte, wurde dies mit einer humanitären Notlage begründet. Als Russland Jahre später seine eigenen Sicherheitsinteressen ins Feld führte, sprach derselbe Westen ausschließlich von einem eklatanten Bruch des Völkerrechts.

Man muss diese beiden Fälle nicht gleichsetzen, um eine berechtigte Frage zu stellen:
Gelten völkerrechtliche Grundsätze universell – oder nur dann, wenn sie den Interessen der jeweils Mächtigen dienen?

Diese Frage wird bis heute nicht überzeugend beantwortet.

Gerade deshalb verliert der Westen weltweit an moralischer Glaubwürdigkeit. Nicht weil seine Kritik an Russland grundsätzlich unbegründet wäre, sondern weil dieselben Maßstäbe gegenüber den eigenen Verbündeten oft erstaunlich flexibel ausgelegt werden.

Völkerrecht lebt von seiner Allgemeingültigkeit. Wer es selektiv anwendet, macht daraus kein Recht mehr, sondern ein außenpolitisches Instrument.

Und genau darin liegt das eigentliche Problem.

Nicht Russland hat den Vorwurf der doppelten Standards erfunden.

Der Westen liefert ihn seit Jahren selbst.



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