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Kiews Machtpoker – und Deutschlands mediale Nebelkerzen

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Kiews Machtpoker – und Deutschlands mediale Nebelkerzen

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Donnerstag 27 Aug 2026 · Lesezeit 11 Minuten
Tags: Kiew, Machtpoker, Deutschland, mediale, Nebelkerzen, Solidarität, Korruptionsvorwürfe, Machtkampf, Zuschauer, Verhandlungen, Hinter, den, Kulissen
Wenn aus einem Machtkampf plötzlich „Solidarität“ wird, Korruptionsvorwürfe zur Randnotiz schrumpfen und der Zuschauer besser nicht erfahren soll, was hinter den Kulissen tatsächlich verhandelt wird

Es gibt politische Theaterstücke, bei denen man sich irgendwann fragt, ob man eigentlich noch Nachrichten schaut – oder bereits die öffentlich-rechtliche Bühnenfassung eines politischen Märchens serviert bekommt.

Die Handlung ist denkbar simpel: Politiker reisen nach Kiew, schütteln Hände, schauen betroffen in Kameras, sprechen von Solidarität, europäischer Geschlossenheit und der unverbrüchlichen Unterstützung der Ukraine. Dazu ein paar Bilder von Fahnen, ernsten Gesichtern und freundschaftlichem Schulterklopfen – fertig ist die tägliche Dosis geopolitischer Erbauung.

Nur leider hat das Theaterstück einen kleinen Schönheitsfehler:
Hinter der Bühne scheint erheblich mehr los zu sein, als auf der Bühne gezeigt wird.

Der vorliegende Bericht zeichnet das Bild eines erheblichen Machtkampfes innerhalb der ukrainischen Führung und zwischen Kiew und europäischen Akteuren. Im Zentrum stehen dabei unter anderem der frühere Verteidigungsminister Fjodorow, Präsident Selensky, die ukrainischen Antikorruptionsbehörden NABU und SAP sowie die Frage, wer künftig über politische Macht, Institutionen und nicht zuletzt über die Milliardenströme entscheidet.

Und genau hier beginnt die eigentlich interessante Frage:
Warum erfahren die deutschen Zuschauer davon so wenig?

Denn während in Kiew offenbar um politische Macht, Personalien, Antikorruptionsbehörden, Finanzhilfen und institutionelle Kontrolle gerungen wird, reduziert sich die Berichterstattung hierzulande erstaunlich häufig auf die kommunikative Wellness-Version des Geschehens.

Ukraine braucht Unterstützung.
Russland ist der Aggressor.
Europa steht zusammen.
Selensky kämpft.
Ende der Durchsage.

Man könnte fast meinen, in Kiew werde nicht Politik gemacht, sondern ein Schulchor gegründet.

Der unangenehme Teil beginnt dort, wo die Kameras ausgeschaltet werden
Besonders bemerkenswert ist die Darstellung des Machtkampfes um Fjodorow.

Nach dem vorliegenden Bericht war dessen Entlassung keineswegs lediglich eine gewöhnliche Personalentscheidung. Vielmehr wird sie in einen größeren Konflikt eingeordnet, in dem unterschiedliche politische Interessen und Unterstützergruppen aufeinanderprallen.

Fjodorow soll dabei insbesondere von westlichen Akteuren unterstützt worden sein, während andere ukrainische Politiker wiederum mit unterschiedlichen ausländischen Machtzentren in Verbindung gebracht werden.

Und plötzlich wird aus der vermeintlich geeinten Ukraine das, was politische Systeme nun einmal gelegentlich sind:
ein Schlachtfeld verschiedener Interessen.

Nur ohne Schützengräben.
Dafür mit Ministerien.
Parteien.
Geheimdiensten.
Antikorruptionsbehörden.
Finanzhilfen.
Personalentscheidungen.
Und sehr viel Geld.

Das ist natürlich deutlich komplizierter als die übliche Erzählung vom tapferen Land, das geschlossen gegen den bösen Feind kämpft.
Denn eine Bevölkerung könnte bei einer solchen Berichterstattung ja auf die ketzerische Idee kommen, dass Krieg und Außenpolitik nicht nur aus Moral bestehen, sondern auch aus Macht, Interessen, Geld und institutioneller Kontrolle.

Und das wäre für eine wirklich aufgeklärte Öffentlichkeit natürlich ausgesprochen unangenehm.

Korruption? Aber bitte nicht während der Primetime!
Besonders explosiv sind die im Ausgangstext beschriebenen Korruptionsvorwürfe gegen Personen aus dem Umfeld Selenskys.

Demnach veröffentlichte das ukrainische Nationale Antikorruptionsbüro neue Vorwürfe, führte Durchsuchungen durch und legte nach Darstellung des Berichts auch Beweismittel vor. Gleichzeitig soll Fjodorow öffentlich Korruption innerhalb der Regierung angeprangert und Neuwahlen gefordert haben.

Das ist keine Nebensächlichkeit.
Das ist politischer Sprengstoff.

Denn wenn eine Regierung mitten in einem Krieg mit Korruptionsvorwürfen aus den eigenen Reihen konfrontiert wird, dann ist das journalistisch selbstverständlich relevant.

Eigentlich.

Zumindest in einer Medienwelt, in der Journalismus noch bedeutet, unangenehme Fragen zu stellen.

In der deutschen Medienlandschaft scheint dagegen gelegentlich eine andere Definition zu gelten:
Was die politische Erzählung stört, wird zur Fußnote. Was sie bestätigt, wird zur Schlagzeile.

Man muss dafür nicht einmal behaupten, dass deutsche Medien absichtlich lügen.

Es reicht bereits festzustellen, dass Auswahl und Gewichtung von Informationen eine enorme Wirkung entfalten.

Wer täglich nur erfährt, wie geschlossen Europa hinter Kiew steht, bekommt ein völlig anderes Bild als jemand, der gleichzeitig erfährt, dass innerhalb der ukrainischen Führung offenbar massive politische Konflikte um Macht, Korruption und Kontrolle ausgetragen werden.

Und genau diese Differenz ist entscheidend.

Wadephul kommt – und plötzlich geht es um Korruption
Dann betritt Bundesaußenminister Wadephul die Bühne.

Im deutschen Nachrichtenbild: Solidaritätsbesuch.
Im Hintergrund: offenbar erheblich kompliziertere Gespräche.

Nach dem vorliegenden Bericht betonte Wadephul gegenüber der ukrainischen Regierung die Bedeutung einer unabhängigen Arbeit von NABU und SAP sowie notwendiger Reformen im Zusammenhang mit einem möglichen EU-Beitritt.

Das ist diplomatisch formuliert.

Politisch betrachtet kann man darin allerdings durchaus eine Botschaft erkennen:
Brüssel schaut Kiew auf die Finger.

Und zwar nicht aus reiner Nächstenliebe.

Denn wo Milliarden fließen, entstehen zwangsläufig Abhängigkeiten.

Wer Geld gibt, möchte wissen, wohin es fließt.
Wer Kredite gewährt, möchte Bedingungen.
Wer Bedingungen stellt, gewinnt Einfluss.

Und wer Einfluss gewinnt, hat Macht.

Das ist keine Verschwörungstheorie.
Das ist die älteste politische Mathematik der Welt.

Willkommen im Wunderland der Milliarden

Besonders interessant wird es beim im Bericht beschriebenen EU-Kredit.

Von einem möglichen 90-Milliarden-Kredit ist die Rede, wobei die Auszahlung weiterer Mittel offenbar an Bedingungen und Reformen geknüpft werden soll.

Und damit sind wir beim Kern des Problems:
Geld ist in der internationalen Politik niemals einfach nur Geld.

Geld ist Macht.
Geld ist Einfluss.
Geld ist Steuerungsmöglichkeit.
Geld ist Druckmittel.

Und manchmal ist Geld auch ein sehr höflich verpacktes politisches Ultimatum.

„Wir helfen euch.“
Wie nett.

„Aber dafür müsst ihr eure Institutionen reformieren.“
Ach so.

„Und bestimmte Behörden müssen unabhängig arbeiten.“
Natürlich.

„Und bestimmte Gesetze müssen verabschiedet werden.“
Verständlich.

„Und bestimmte Strukturen müssen verändert werden.“
Selbstverständlich.

Und irgendwann darf man sich dann durchaus die Frage stellen:
Wer regiert eigentlich wen?

Kiew Europa?
Europa Kiew?

Oder regiert am Ende das Geld?

Die große europäische Geschlossenheit – mit erstaunlich vielen leeren Stühlen
Noch grotesker wird die Angelegenheit beim ukrainischen Unabhängigkeitstag.

Denn wenn man der politischen Rhetorik lauscht, könnte man meinen, halb Europa würde geschlossen nach Kiew marschieren, um dort gemeinsam die europäische Solidarität zu zelebrieren.

Tatsächlich zeichnet der Ausgangstext ein deutlich differenzierteres Bild: Wichtige europäische Spitzenpolitiker blieben dem Fest fern; Merz und Macron nahmen lediglich per Videokonferenz teil, während auch andere prominente EU-Vertreter nicht persönlich erschienen.

Und hier beginnt die hohe Kunst der medialen Formulierung.

Man muss nämlich gar nichts erfinden.
Man muss lediglich geschickt auswählen.
Man kann schreiben:
„Zahlreiche europäische Spitzenpolitiker in Kiew.“

Das klingt beeindruckend.

Man kann aber auch fragen:
„Warum fehlen ausgerechnet die wichtigsten europäischen Regierungschefs?“

Das klingt schon weniger harmonisch.

Noch interessanter wird es, wenn man die Kamera ein wenig weiter herauszoomt.

Denn plötzlich sieht man nicht nur die Politiker, die gekommen sind.

Man sieht auch die, die nicht gekommen sind.

Und manchmal erzählt ein leerer Stuhl mehr als eine einstündige Pressekonferenz.

Die neue Disziplin: politische Abwesenheit als Solidaritätsbekundung
Merz nicht da.
Macron nicht da.
Von der Leyen nicht da.
Wadephul bereits abgereist.

Aber selbstverständlich:
Europa steht geschlossen hinter der Ukraine.

Man könnte darüber lachen, wenn die Angelegenheit nicht so ernst wäre.

Denn wenn politische Führungspersönlichkeiten bei symbolisch bedeutenden Veranstaltungen fernbleiben, kann das selbstverständlich ganz harmlose Gründe haben.

Termine.
Sicherheitsfragen.
Innenpolitische Verpflichtungen.
Reiseplanung.
Oder schlicht Zufall.

Aber wenn gleichzeitig ein erheblicher Streit um Korruption, Reformen, Finanzhilfen und politische Macht beschrieben wird, dann ist es legitim, zumindest Fragen zu stellen.

Nur Fragen.

Mehr braucht seriöser Journalismus eigentlich gar nicht.

Die eigentliche Bombe liegt im Kleingedruckten
Besonders bemerkenswert ist, dass der Ausgangstext eine weitere Entwicklung beschreibt: Am ukrainischen Unabhängigkeitstag sollen neue Korruptionsvorwürfe gegen Personen aus Selenskys Umfeld öffentlich geworden sein.

Das ist der Punkt, an dem die politische PR-Fassade erste Risse bekommt.

Denn was nützt die schönste Inszenierung europäischer Solidarität, wenn gleichzeitig die eigenen Institutionen über Korruption, Vetternwirtschaft und politische Einflussnahme streiten?

Was nützt die millionenschwere Kommunikationsmaschine, wenn die entscheidende Frage lautet:
Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?

Und noch wichtiger:
Wer kontrolliert das Geld?

Der erstaunliche Mut zur Selbstzerlegung
Dann passiert etwas, das politische Kommunikationsberater normalerweise nicht besonders lieben:
Fjodorow erklärt öffentlich, die Ukraine verliere den Konflikt allmählich und brauche einen Plan zur Beendigung des Krieges. Gleichzeitig kritisiert er Korruption, Vetternwirtschaft und mangelnde politische Unabhängigkeit staatlicher Institutionen.

Das ist politisch eine Granate.

Denn damit wird nicht mehr nur über Personalien gesprochen.

Damit wird die gesamte bisherige Erzählung angegriffen.

Wenn ein ukrainischer Spitzenpolitiker öffentlich erklärt, das eigene Land verliere allmählich den Konflikt und werde durch Korruption und Vetternwirtschaft geschwächt, dann ist das keine Randnotiz.

Das ist eine politische Kampfansage.
Und zwar eine, die direkt in die internationale Wahrnehmung der Ukraine einschlägt.

Die deutsche Medienwelt entdeckt derweil die Kuscheldecke
Und was macht der deutsche Zuschauer?

Er bekommt Bilder.

Viele Bilder.

Flaggen.
Hände.
Umarmungen.
Konferenzen.
Betroffene Gesichter.
Durchhalteparolen.

Und natürlich die unvermeidliche Botschaft:
Wir stehen zusammen.

Nur leider erfährt er offenbar deutlich weniger über den Streit, der hinter diesem „Wir“ steckt.

Das ist das eigentlich Beunruhigende.

Nicht, dass Medien eine bestimmte politische Position vertreten.

Medien dürfen kommentieren.
Medien dürfen bewerten.
Medien dürfen sogar politische Haltungen einnehmen.

Aber sie sollten dem Publikum die Informationen nicht so zurechtschneiden, dass aus einer komplizierten politischen Realität eine moralisch vollkommen eindeutige Bilderbuchgeschichte entsteht.

Denn dann wird aus Journalismus irgendwann politisches Storytelling.

Und aus dem Bürger wird der Zuschauer.

Willkommen beim „Demokratieunterricht“ mit ausgesuchten Kapiteln

Das Perfide daran ist:
Man braucht gar keine Zensur.

Keine Verbote.
Keine geschwärzten Dokumente.
Keine Polizeikontrollen.

Es genügt, wenn bestimmte Informationen regelmäßig nicht die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie andere.

Das ist die eleganteste Form der politischen Informationssteuerung.

Man sagt nicht:
„Du darfst das nicht wissen.“

Man sagt:
„Das ist heute leider kein großes Thema.“

Und morgen ist es wieder kein großes Thema.
Und übermorgen auch nicht.

Bis der Bürger irgendwann glaubt, es habe das Thema überhaupt nie gegeben.

Kiews Machtkampf ist deshalb weit mehr als ein ukrainisches Problem

Der eigentliche Skandal liegt möglicherweise gar nicht in Kiew.
Der eigentliche Skandal liegt darin, wie wenig Interesse daran besteht, dem europäischen Publikum die komplizierte Realität eines Landes zu zeigen, in dessen Krieg, Finanzierung und politische Zukunft Europa massiv involviert ist.

Denn wenn Deutschland Milliarden bereitstellt, wenn die EU Kredite gewährt, wenn europäische Politiker Einfluss auf Reformen nehmen und wenn die Ukraine perspektivisch Mitglied der Europäischen Union werden soll, dann ist es keine ukrainische Privatsache mehr.

Dann betrifft das uns alle.
Dann darf man fragen:

Wie stabil ist die ukrainische Regierung?
Wie tief reicht die Korruption?
Wie unabhängig sind die Institutionen?

Welche politischen Kräfte kämpfen um die Nachfolge?
Welche Interessen verfolgen EU, USA und Großbritannien?
Welche Bedingungen hängen an den Milliarden?

Und vor allem:
Welche politische Ordnung soll am Ende dieses Krieges eigentlich entstehen?

Das sind keine Putin-Fragen.
Das sind keine Kreml-Fragen.
Das sind verdammt noch einmal europäische Fragen.

Und damit sind wir wieder beim Anfang

Der Ausgangstext nennt den Vorgang einen Polit-Thriller.

Das ist vielleicht sogar eine ziemlich treffende Beschreibung.

Denn wir haben alle Zutaten:
Machtkampf.
Geld.
Korruptionsvorwürfe.
Geheimdienstliche und institutionelle Interessen.
Internationale Einflussnahme.
Personalintrigen.
Milliardenkredite.
Mögliche Nachfolgekandidaten.

Und eine Regierung, die zwischen verschiedenen Machtzentren laviert.

Was fehlt?

Ach ja:

Der Zuschauer.
Der sitzt nämlich zu Hause und bekommt die harmlose Version.

Er soll sehen, wie Europa solidarisch an der Seite der Ukraine steht.

Nicht unbedingt, wie Europa gleichzeitig um Einfluss in Kiew ringt.
Er soll sehen, dass Geld fließt.

Nicht unbedingt, welche Bedingungen daran geknüpft sind.
Er soll hören, dass Korruption bekämpft wird.

Nicht unbedingt, wer dadurch politisch unter Druck gerät.
Und er soll glauben, dass hinter den Kulissen alle dasselbe wollen.

Das wäre schließlich viel beruhigender.

Die letzte Pointe gehört dem politischen Überlebenskünstler
Und Selensky?

Der sitzt mitten in diesem Pulverfass.
Der Ausgangstext beschreibt ihn als politischen Überlebenskünstler und stellt die Frage, ob er sein Blatt überreizt und damit möglicherweise die Geduld der EU strapaziert. Gleichzeitig wird die Möglichkeit beschrieben, dass die EU im äußersten Fall einen politischen Machtwechsel hinnehmen oder unterstützen könnte, falls belastende Beweise gegen Selensky öffentlich würden.

Ob diese Einschätzung tatsächlich zutrifft, muss sich zeigen.

Aber eines ist bereits jetzt offensichtlich:
Politik kennt keine ewige Freundschaft.

Es gibt Interessen.

Und wenn Interessen kollidieren, wird aus dem besten Freund ganz schnell ein unbequemes Gegenüber.

Gestern noch Held.

Heute Reformbedarf.

Morgen vielleicht Problemfall.

Übermorgen vielleicht politisches Auslaufmodell.

So funktioniert Machtpolitik.

Und genau deshalb ist es so wichtig, dass Journalisten nicht nur die offiziellen Pressemitteilungen abschreiben.

Sie müssen hinterfragen.
Sie müssen vergleichen.
Sie müssen Widersprüche suchen.
Sie müssen fragen, wer profitiert.

Und sie müssen vor allem den Mut besitzen, auch dann hinzusehen, wenn die Antwort politisch unbequem ist.

Denn die gefährlichste Nachricht ist manchmal die, die gar nicht erscheint
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus diesem ganzen Vorgang:
Nicht nur das, was in den Nachrichten steht, ist eine Nachricht.

Auch das, was systematisch fehlt, kann eine Nachricht sein.

Wenn ein Land, das Europa mit Milliarden finanziert, sich gleichzeitig mit Korruptionsvorwürfen, Machtkämpfen und institutionellen Konflikten herumschlägt, dann gehört das auf die Titelseite.

Wenn europäische Politiker mit der ukrainischen Führung über Antikorruptionsbehörden und Reformen sprechen, dann ist das relevant.
Wenn Milliardenkredite an politische Bedingungen geknüpft werden, dann ist das relevant.
Wenn wichtige europäische Regierungschefs bei einem symbolträchtigen Ereignis fehlen, dann ist zumindest die Frage nach dem Warum legitim.

Und wenn ein ehemaliger ukrainischer Spitzenpolitiker öffentlich erklärt, dass sein Land den Krieg allmählich verliere, dann sollte das in einer freien Medienlandschaft wohl mehr sein als eine kleine Meldung irgendwo im digitalen Keller.

Denn Demokratie funktioniert nicht dadurch, dass Bürger die richtige Meinung haben.

Demokratie funktioniert dadurch, dass Bürger möglichst viel von der Realität kennen, bevor sie sich eine Meinung bilden.

Und genau deshalb sollte man bei der Berichterstattung über Kiew nicht nur auf die Bühne schauen.

Man sollte gelegentlich hinter den Vorhang sehen.

Denn dort scheint gerade das eigentliche Stück gespielt zu werden.

Und die deutsche Öffentlichkeit hat offenbar noch nicht einmal die Eintrittskarte für die Vorstellung bekommen.

Vielleicht ist das ja die neue Form europäischer Solidarität:
Wir bezahlen die Rechnung.

Kiew spielt das Drama.

Brüssel schreibt die Bedingungen.

Und die deutschen Medien erklären dem Publikum, wie harmonisch doch alle miteinander sind.

Vorhang auf.
Vorhang zu.

Und bitte keine unangenehmen Fragen im Zuschauerraum.



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