Friedrich der Feste – oder wie man mit Stahlhelm träumt
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Dienstag 05 Aug 2025 · 2:30
Tags: Friedrich, der, Feste, Stahlhelm, Geschichte, Pathos, Pickelhaube, Parlamentsmehrheit, Traum, Wiederholung
Tags: Friedrich, der, Feste, Stahlhelm, Geschichte, Pathos, Pickelhaube, Parlamentsmehrheit, Traum, Wiederholung
Manchmal ist Geschichte einfach zu schade, um sie zu wiederholen. Und doch tut man’s. Mit Pathos, Pickelhaube und Parlamentsmehrheit.
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen ins neutrale Belgien begann 1914 die „Notwehr mit Kanone“ – und plötzlich roch ganz Europa nach Pulver, Ruhm und Reichspostkartenromantik. Der Plan des Generalstabs? Kühn, klar, klinisch wahnsinnig: Erst Frankreich niedermähen, dann die Ukraine zur "deutschen Kornkammer" machen, und schließlich den russischen Bären in Filetstücke zerlegen. Gourmet-Imperialismus auf militärischem Silbertablett.
Natürlich war das völkerrechtswidrig – das wusste sogar Reichskanzler Bethmann Hollweg, der das auch ehrlich einräumte: „Unrecht, ja, aber mit Haltung!“ Denn Not kennt schließlich kein Gebot. Und wer Angst hat, ist eben entschuldigt, wenn er ein Land überfällt. Also Krieg auf Verdacht, wie ein Hausbesuch beim Nachbarn, weil er eventuell einen bösen Blick warf.
Und siehe da: Die SPD, deren Genossen noch gestern gegen Militarismus wetterten, winkte tapfer die Kriegskredite durch. Man wollte ja nicht als Spielverderber gelten, wenn das Vaterland sich so schön in Schützengräben präsentierte. Hugo Haase murmelte etwas von „Verteidigung“ – was in Berlin offenbar auch bedeutet, Belgien niederzuwalzen, weil’s gerade im Weg liegt.
Die „Sozialistischen Monatshefte“ – einst Hort des proletarischen Klassenbewusstseins – begrüßten plötzlich das deutsche Großmachtstreben gegen das britische Empire. Denn Deutschland habe „eine innerlich gerechte Sache“. Klar, wer kennt das nicht: Man stolpert versehentlich über ein paar Grenzen, brennt ein paar Dörfer nieder – aber innerlich bleibt man absolut integer.
Und weil innere Gerechtigkeit ja irgendwie auch nach außen muss, lautete die Losung bald: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.“ Eine brillante Idee, die sich 20 Jahre später noch einmal als äußerst effizient erweisen sollte.
Aber die Geschichte bleibt nicht stehen, sie geht in Uniform spazieren: Heute verkündet ein gewisser Friedrich Merz – Friedrich der Feste –, sein Ziel sei es, die Bundeswehr zur „stärksten Armee Europas“ zu machen. Da horcht das Abendland auf, reibt sich die Augen – und überprüft sicherheitshalber den Zustand der Bunkeranlagen.
Was bei Wilhelm II noch ein Kaiserschnurrbart erledigte, übernimmt heute die Kanzlerglatze mit PowerPoint: Aufrüsten bis der Stahl glänzt, Europa sichern – mit deutscher Führungsrolle versteht sich. Belgien dürfte sich besonders freuen, denn da hat man bekanntlich noch gute Erinnerungen an deutsche Truppenstiefel auf belgischem Pflaster.
Wilhelm heißt jetzt Fritz. Und Fritz träumt sich durch die Weltpolitik mit dem Pathos eines Zinnsoldaten. Ob er auch – wie Bolle – am Ende fröhlich zu Hause verprügelt wird, ist offen. Aber er wird sich jedenfalls köstlich amüsieren.
