Die Rheinsberger Realsatire: Wenn der Bürgermeister zum Kreuzritter wird
Veröffentlicht von Peter Martin in Regionales · Freitag 18 Jul 2025 · 3:45
Tags: Rheinsberger, Realsatire, Bürgermeister, Kreuzritter, Amtsgericht, Neuruppin, Schützenfestrhetorik, Anklagestuhlritter, Zeugen, Lanzenträger
Tags: Rheinsberger, Realsatire, Bürgermeister, Kreuzritter, Amtsgericht, Neuruppin, Schützenfestrhetorik, Anklagestuhlritter, Zeugen, Lanzenträger
Von unserer Redaktion für aufgeklärte Prozesse mit Unterhaltungswert
Der Gerichtssaal im Amtsgericht Neuruppin bebte. Nicht vor juristischer Würde, sondern vor jener Art Schützenfestrhetorik, die entsteht, wenn ein Bürgermeister zum Anklagestuhlritter wird und seine Zeugen zu Lanzenträgern degradiert. Willkommen zur neuesten Folge der brandenburgischen Dauerposse „Rheinsberg – Macht, Missgunst & Mieterlisten“, diesmal unter dem Titel: „Sie lügen wie gedruckt.“
Denn genau das schleuderte Frank-Rudi Schwochow (38, BVB/Freie Wähler, Spezialgebiet: Wut mit Mandat) dem Zeugen und Ex-Stadtverordneten Freke Over entgegen. Mit Verve, mit Überzeugung – und mit jener charmanten Gerichtsdramatik, bei der selbst Cicero aus dem Grab applaudiert hätte.
🎭 Der Fall – oder: Das Theaterstück „Untreue mit Nebenwirkungen“
Schwochow wird vorgeworfen, als Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Wohnungsgesellschaft REWOGE eigenmächtig den Geschäftsführer gefeuert zu haben. Die Reue über den entstandenen Schaden in Höhe von 11.000 Euro ist überschaubar – der Wille, diesen Akt der städtischen Selbstverteidigung als Pflichtübung zu verklären, umso größer.
Denn es ging nicht um Geld – es ging ums Prinzip! Oder wie man in Brandenburg sagt: um „die persönliche Haltung zum Geschäftsführertypus mit Firmenwagen und Eigenlohnambitionen“.
Dass der gefeuert wurde, obwohl die Satzung das gar nicht hergab? Geschenkt. Schließlich geht es hier um Politik, nicht um Jura – und Bürgermeister Schwochow wusste offenbar: Wo kein Beschluss, da kein Skandal. Nur eine Patt-Situation.
🎤 Bühne frei für das Kreuzverhör!
Als Zeuge der Anklage trat Freke Over auf – bekannt als Dauerkritiker, Stadtparlaments-Fechter und jemand, der offenbar bereits vor dem ersten Kaffeekränzchen wusste, dass Schwochow „nur einen loswerden wollte“. Gut möglich. Aber ebenso gut möglich, dass Herr Over sich selbst gerne als letzte moralische Instanz der kommunalen Weltordnung inszeniert. Eine Art linker Robespierre mit Brillenetui.
Schwochow jedenfalls ließ ihn nicht davonkommen. Mit dem Eifer eines Jurastudenten im ersten Semester und der Rhetorik eines leidenschaftlichen Verwaltungsbeamten auf Koffein konterte der Angeklagte in bester Matador-Manier. Er stellte Fragen. Viele Fragen. Auch welche, die nichts mit dem Verfahren zu tun hatten – aber wann hat das je einen Bürgermeister in Brandenburg gestört?
Sein Vorwurf: „Sie lügen wie gedruckt.“ Ein Satz, der vielleicht nicht vor Gericht gehört – aber definitiv in einen zukünftigen Podcast: „Politik unter Eid – der True-Crime-Talk aus Rheinsberg“.
👨⚖️ Verteidigung gegen das Schweigen der Justiz
Drei Verteidiger stehen an der Seite von Herrn Schwochow – nicht aus Übermut, sondern weil es heute Mut braucht, um sich in einem Verfahren zur Wehr zu setzen, das längst aus dem Lot geraten ist. Kein „Showteam“, sondern eine Notwendigkeit, wenn die Gerechtigkeit schweigt und das Gericht wegsieht.
Drei Verteidiger stehen an der Seite von Herrn Schwochow – nicht aus Übermut, sondern weil es heute Mut braucht, um sich in einem Verfahren zur Wehr zu setzen, das längst aus dem Lot geraten ist. Kein „Showteam“, sondern eine Notwendigkeit, wenn die Gerechtigkeit schweigt und das Gericht wegsieht.
Während der Zeuge Over sich in ausweichenden Formulierungen verliert, sind es Schwochows Verteidiger, die das tun, was Staatsanwalt und Gericht hätten tun müssen: die Wahrheit auf den Tisch legen. Punkt für Punkt, Frage für Frage – sachlich, aber mit der notwendigen Entschlossenheit.
Denn wer mit dem Rücken zur Wand steht, braucht mehr als Höflichkeit: Er braucht Rückgrat.
Denn wer mit dem Rücken zur Wand steht, braucht mehr als Höflichkeit: Er braucht Rückgrat.
Der Antrag, Over unter Eid zu stellen, war kein Trick, sondern ein letzter Versuch, diesem Schauspiel einen Hauch von Ernsthaftigkeit zu verleihen. Was folgte, war das müde Lächeln einer Richterin, die entweder abgestumpft ist – oder längst weiß, dass hier etwas nicht stimmt, es aber hinzunehmen scheint.
Schwochow hingegen nimmt nichts mehr hin. Er kämpft – um sein Recht, um seine Ehre, um seine Zukunft. Und genau dafür braucht es Verteidiger, die sich nicht einschüchtern lassen – weder von einem schwankenden Zeugen, noch von einer Justiz, die lieber zuschaut als handelt.
Schwochow hingegen nimmt nichts mehr hin. Er kämpft – um sein Recht, um seine Ehre, um seine Zukunft. Und genau dafür braucht es Verteidiger, die sich nicht einschüchtern lassen – weder von einem schwankenden Zeugen, noch von einer Justiz, die lieber zuschaut als handelt.
🔄 Fortsetzung folgt – zum Leidwesen der Vernunft
Zwei Stunden lang wurde in feinster Provinzdramaturgie palavert, gestritten und der gesunde Menschenverstand unter Aktenbergen begraben. Urteilsverkündung? Fehlanzeige. Stattdessen ein Cliffhanger, wie man ihn sonst nur aus Seifenopern kennt: Am 1. August geht der Irrsinn in die nächste Runde.
Zwei Stunden lang wurde in feinster Provinzdramaturgie palavert, gestritten und der gesunde Menschenverstand unter Aktenbergen begraben. Urteilsverkündung? Fehlanzeige. Stattdessen ein Cliffhanger, wie man ihn sonst nur aus Seifenopern kennt: Am 1. August geht der Irrsinn in die nächste Runde.
Vielleicht erfahren wir dann, ob „Untreue“ in Rheinsberg ein juristischer Tatbestand ist – oder bloß ein gesellschaftliches Missverständnis unter Aufsichtsräten beim Kartenspielen. Wer verliert, kriegt den Schwarzen Peter – und wer gewinnt, bleibt wie immer unklar.
