Direkt zum Seiteninhalt

CIA-Direktor fliegt diskret nach Moskau – und der deutsche Blätterwald räuspert sich ehrfürchtig. Wäre es der BND-Chef gewesen, wäre der Teufel los

Sarkasmus-Spiegel
Menü überspringen
Sarkasmus
Menü überspringen

CIA-Direktor fliegt diskret nach Moskau – und der deutsche Blätterwald räuspert sich ehrfürchtig. Wäre es der BND-Chef gewesen, wäre der Teufel los

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Mittwoch 26 Aug 2026 · Lesezeit 3 Minuten
Tags: CIA, Moskau, BND, Geopolitik, Washington, Berlin, Hierarchie, Blätterwald, Diskretion, Machtverhältnisse
Was dem Jupiter erlaubt ist, bleibt dem deutschen Ochsen streng verboten. Willkommen in der Hierarchie der Geopolitik, in der Washington redet und Berlin artig schweigt

Der Direktor der CIA war am Dienstag in Moskau. Ein Geheimbesuch, über dessen Inhalt bis jetzt peinlich wenig bekannt ist. Deutsche Medien berichten darüber, wie man über den Besuch eines Großfürsten berichtet: zurückhaltend, spekulierend, fast ehrfürchtig. Kein Zeter und Mordio. Keine Empörungswelle. Keine Talkshow-Eskalation. Nur ein dezentes Räuspern und ein paar geheimnisvolle Andeutungen.

Man stelle sich das Gegenteil vor.  
Angenommen, der Präsident des BND wäre in geheimer Mission nach Russland geflogen. Oder gar ein hochrangiger Regierungsvertreter. Oder – der Gipfel der Unvorstellbarkeit – der Bundeskanzler selbst hätte das Gespräch mit Putin gesucht.  
Der deutsche Blätterwald hätte sofort Feuer gefangen. Schlagzeilen über „Geheimdiplomatie mit dem Aggressor“, „Verrat an den Werten“, „Gefährdung der Bündnistreue“. Die üblichen Verdächtigen hätten sich überschlagen vor moralischer Entrüstung. Gift und Galle wären in Strömen geflossen.

Genau das ist der Unterschied.  
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Was dem Jupiter erlaubt ist, bleibt dem Ochsen streng verboten. Und der Ochse sitzt in Berlin.

Deutsche Medien und weite Teile der Politik haben das Reden mit russischen Regierungsvertretern zum Tabu erklärt. Als AfD-Politiker 2025 und 2026 nach Russland reisten, spuckten dieselben Redaktionen Gift und Galle. Jetzt fliegt der CIA-Direktor unangekündigt und diskret nach Moskau – und plötzlich herrscht andächtige Stille. Die Giftpfeile bleiben im Köcher. Ausnahmen gelten offenbar nur für Vertreter des Imperiums.

Einmal mehr wird brutal klar, wo die Macht sitzt: in Washington, nicht in Berlin. Selbst die regierungstreuesten deutschen Medien würden bei einer vergleichbaren Geheimreise eines deutschen Politikers oder Geheimdienstchefs sofort quer schießen. Erst recht, wenn irgendwo das Wort „Friedensmission“ oder „Verhandlungen“ fiele. Dann wäre der Skandal perfekt.

Gerade diese Reise hätte einer wirklich kritischen Presse reichlich Stoff geboten. Sie hätte an das frühe Agieren der CIA in der Ukraine erinnern können. Sie hätte den Charakter des Krieges als Stellvertreterkonflikt beleuchten können. Sie hätte fragen können, warum die USA sich herausnehmen, Nord Stream offen zu beerdigen, während der deutsche Kanzler danebensteht wie ein Schuljunge, der nicht sprechen darf. Stattdessen: Brett-vorm-Kopf-Berichterstattung. Respektvolle Spekulation statt Analyse.

Die Botschaft ist unmissverständlich:  
Die USA dürfen nach Belieben nach Russland reisen, Gespräche führen und den Ton angeben. Deutschland darf zuschauen und die Konsequenzen tragen. Im Westen nichts Neues. Schon David Rockefeller flog im tiefsten Kalten Krieg nach Moskau, weil das Geschäft nun einmal vorgeht. Scheu vor „Feindberührung“ kannten die Herren der Welt schon damals nicht.

Wer in Sachen Ukraine-Krieg den Taktstock schwingt und wer lediglich den Takt mitschlägt, zeigt sich einmal mehr mit brutaler Offenheit.  
Deutschland ist es nicht.



Zurück zum Seiteninhalt