„Russland hat’s getan! (Oder die Ukraine. Oder niemand. Hauptsache nicht wir.)“
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Freitag 14 Aug 2026 · 3 Minuten
Wie die „Zeit“ heldenhaft die Möglichkeit ausblendet, dass deutsche Dienste mal wieder unter falscher Flagge üben – und dabei so logisch argumentiert, dass man vor Lachen fast die Drohne selber tritt
Da landet eine Drohne mit Semtex auf dem Leipziger Flughafen, liegt stundenlang ungestört herum, wird von einem Busfahrer mit wechselnden Heldengeschichten „außer Gefecht gesetzt“, und irgendwo in der Nähe knallt es auch noch – und die deutschen Medien und Behörden stürzen sich sofort auf die naheliegendste Erklärung: Russland. Weil… na, weil Russland halt immer. Und wenn nicht, dann vielleicht die Ukraine. Aber bloß nicht die eigene Regierung. Das wäre ja unanständig.
Die „Zeit“ bemüht sich redlich, die Ukraine als Täterin abzuhaken. Motiv? Fehlanzeige. Deutschland sei doch schon „einer der stärksten Unterstützer“. Als ob politische Unterstützung jemals genug wäre, wenn man die Bevölkerung – besonders die im Osten, wo im September gewählt wird – noch ein bisschen mehr gegen den bösen Russen mobilisieren könnte. Und das eigene Frachtflugzeug riskieren? Nur, wenn der Zünder auch funktioniert hätte. Der hat aber lieber Pause gemacht. Was für ein Glücksfall! Fast so, als hätte jemand genau das eingeplant: viel Drama, null Schaden, maximale Schlagzeilen. Und dass die deutsche Öffentlichkeit unvorhersehbar reagiert hätte? Bitte. Die Medien haben schon bei einer unbeschädigten Drohne den NATO-Bündnisfall und präventive BND-Angriffe auf Russland durchdekliniert. Mit einer richtigen Explosion wäre der Kriegsmodus längst an.
Russland dagegen, so die „Zeit“, hätte ein logisches Motiv: Die AfD in Sachsen-Anhalt und im Bund stärken, indem man die Deutschen in Angst und Schrecken versetzt. Genial. Weil, wie die Geschichte ja lehrt, Bevölkerungen nach Angriffen immer den Angreifer wählen. Der Bombenkrieg hat die Deutschen 1945 sofort zu Fanboys der Alliierten gemacht, Vietnam hat die US-Truppen mit Blumen begrüßt, und jedes Terrorattentat stärkt bekanntlich die Partei, die dem Täter nahesteht. Klar. Deshalb wird ein russischer Angriff auf deutschen Boden die AfD nach oben spülen und nicht etwa die Ukraine-Unterstützer. Die „Zeit“ hat hier wohl die Geschichte in die falsche Richtung gelesen.
Und die dritte Möglichkeit? Die, die in deutschen Medien konsequent nicht vorkommt: dass es die eigenen Leute waren. Deutsche Geheimdienste unter falscher Flagge? Absurde Verschwörungstheorie. Dabei gab’s das schon mal, Celler Loch und so weiter, aber das war ja damals und heute sind wir zivilisiert. Ein angeblich russischer Angriff kurz vor den Ostwahlen könnte die Zustimmung zur Ukraine-Hilfe und die Ablehnung der AfD wunderbar pushen. Aber darüber nachzudenken, wäre ja gefährlich. Könnte ja jemand auf die Idee kommen, dass die Regierung und ihre Medien nicht nur moralisch integer, sondern auch strategisch berechnend sind.
Also bleibt es bei der bewährten Formel: Russland ist schuld, bis das Gegenteil bewiesen ist – und selbst dann noch. Die Drohne lag vier Stunden, der Busfahrer hat sie dreimal anders besiegt, es gab eine ungeklärte Explosion, die Polizei hat ein verlassenes Dorf durchsucht – und trotzdem trommeln die Medien schon für den großen Krieg. Weil nichts so sehr nach Wahrheitsfindung klingt wie vorauseilende Hysterie.
Man könnte fast meinen, jemand wollte, dass die Drohne gefunden wird, dass nichts explodiert und dass die richtigen Schlagzeilen geschrieben werden. Aber das wäre ja eine False-Flag-Operation. Und die gibt’s in Deutschland bekanntlich nicht. Nur in den Köpfen von Spinnern. Und bei Anti-Spiegel. Und vielleicht, ganz leise, in der Realität.
