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✈️ Der Kanzler hebt ab – und der Außenminister darf winken

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✈️ Der Kanzler hebt ab – und der Außenminister darf winken

Sarkasmus & Satire
Veröffentlicht von Peter Martin in Politik · Dienstag 10 Mär 2026 · Lesezeit 2:45
Tags: KanzlerAußenministerRegierungschefWeltreiseAußenministeriumDiplomatiePolitikRegierungReisen
Wenn der Regierungschef die Welt bereist, fragt man sich unweigerlich, wozu es eigentlich noch ein Außenministerium gibt

Man muss Friedrich Merz wirklich verstehen. Der Mann hat ein Problem mit einem Wort. „Außenkanzler“ gefällt ihm nicht. Angeblich klingt das so, als würde er sich um die innenpolitischen Angelegenheiten nur nebenbei kümmern.

Ein völlig abwegiger Gedanke natürlich.

Denn wer könnte ernsthaft glauben, dass ein Regierungschef, der mit bemerkenswerter Ausdauer zwischen Gipfeltreffen, Staatsbesuchen und internationalen Konferenzen pendelt, dabei ausgerechnet die Probleme im eigenen Land aus dem Blick verliert?

Nein, nein. Das ist alles Teil einer großen strategischen Vision. Deutschland soll schließlich in der Welt sichtbar sein. Präsenz zeigen. Verantwortung übernehmen. Händeschütteln auf höchstem Niveau.

Der Regierungsjet hebt ab, die Kameras klicken, und irgendwo zwischen Washington, Brüssel und dem nächsten strategischen Dialog wird erneut demonstriert, dass deutsche Außenpolitik sehr lebendig ist – vor allem auf Rollfeldern internationaler Flughäfen.

Das ist auch dringend notwendig. Denn Diplomatie funktioniert bekanntlich nur dann richtig gut, wenn möglichst viele Politiker gleichzeitig durch die Welt reisen und dabei sehr bedeutungsvoll aussehen.

Allerdings stellt sich bei diesem Konzept eine kleine organisatorische Frage.

Deutschland besitzt nämlich bereits ein Amt, dessen Aufgabe genau darin besteht: Außenpolitik zu betreiben.

Dieses Amt nennt sich – man höre und staune – Außenminister.

Doch wenn der Kanzler selbst mit bewundernswerter Energie sämtliche internationalen Bühnen bespielt, entsteht zwangsläufig ein interessantes Problem der Arbeitsteilung. Denn irgendwann fragt sich der aufmerksame Beobachter, welche Aufgabe für den Außenminister eigentlich noch übrig bleibt.

Vielleicht das Kofferpacken.

Oder das freundliche Winken auf dem Rollfeld, während der Kanzler wieder einmal in Richtung Weltpolitik abhebt.

Denn wenn der Regierungschef persönlich jede diplomatische Bühne betritt, jeden strategischen Dialog führt und jedes internationale Foto mitnimmt, könnte man theoretisch zu einem radikalen Gedanken gelangen: Das Außenministerium wäre in dieser Konstellation beinahe entbehrlich.

Ein kleines Effizienzprogramm der besonderen Art.

Statt zweier politischer Figuren, die sich die Außenpolitik teilen, genügt dann ein einziger Vielreisender mit Regierungsjet und ausreichend Visitenkarten. Der Rest lässt sich vermutlich auch per Pressemitteilung erledigen.

Währenddessen sitzt die Innenpolitik geduldig zu Hause und wartet darauf, dass irgendwann jemand Zeit findet, sich um sie zu kümmern. Doch sie hat Verständnis. Außenpolitik ist schließlich glamouröser. Dort gibt es Gipfeltreffen, internationale Schlagzeilen und elegante Empfangssäle.

Innenpolitik hingegen besteht aus Haushaltsdebatten, Rentenfragen und Bürgern, die ständig wissen wollen, warum ihr Alltag komplizierter wird.

Da ist es nur verständlich, wenn der Blick gelegentlich wieder zum Flugplan wandert.

Und so bleibt am Ende ein bemerkenswerter Eindruck zurück: Deutschland hat offiziell einen Kanzler und einen Außenminister.
In der Praxis wirkt es jedoch manchmal so, als habe man einen Reisekanzler – und einen Außenminister, der theoretisch existiert.

Das spart zwar keine Probleme im Inland, sorgt aber immerhin für eine beeindruckende Zahl von Flugmeilen in der Außenpolitik.



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